Partner hat ein Date? So gehst du mit Verlustangst um

In der Wohnung ist es still. Vor 10 Minuten habt ihr euch verabschiedet und du hast ihm so ehrlich wie möglich einen schönen Abend gewünscht. Dein Partner hat ein Date, denn ihr habt euch für eine offene Beziehung entschieden.

Jetzt sitzt du auf dem Sofa, das Handy liegt neben dir und eigentlich weißt du, dass alles gut ist. Dennoch zieht sich ein unangenehmes Gefühl durch deinen Körper.

Wenn du diesen Artikel liest, dann kennst du das Gefühl bestimmt. Dieser Moment gehört für viele Menschen zu den emotional schwierigsten Erfahrungen in offenen Beziehungen.

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Partner hat ein Date: Warum dieser Moment so schwer sein kann

Du denkst vielleicht, die Antwort ist total klar: Na weil mein Partner gerade mit jemand anderem unterwegs ist !?

Doch tatsächlich ist die ganze Sache etwas komplexer. Es beginnt in dem Moment, wo die Tür zufällt und du mit dir allein zurückbleibst. Es gibt plötzlich keine Ablenkung mehr, kein gemeinsames Abendessen und du kannst nicht auf deinen Partner zurückgreifen, der dir signalisiert, dass alles in Ordnung ist.

Was in dem Moment stattdessen entsteht, ist Raum. Es werden Dinge spürbar, die du im Alltag meist nicht wahrnimmst. Du bemerkst Unruhe in deinem Körper oder das unaufhörliche Gedankenkreisen um ein und dieselben Fragen. Die meisten werden es kennen.. die Frage, ob der Partner jetzt mehr Spaß mit der anderen hat als mit einem selbst… ob er an einen denkt, auch wenn er ein Date hat… oder ob man auch nach diesem Abend noch wichtig sein wird.

Dein Verstand ist sich wahrscheinlich im Klaren darüber, warum ihr euch für eine offene Beziehung entschieden habt und weiß um eure Absprachen. Er weiß auch, dass dein Partner dich liebt und vielleicht sogar, dass Eifersucht nichts über deinen Wert als Mensch aussagt.

Aber leider funktioniert der Körper nicht über Logik. Er registriert lediglich, dass eine wichtige Bezugsperson gerade nicht verfügbar ist. Es geschieht etwas, auf das er keinen Einfluss hat und ein Stück Ungewissheit steht im Raum.

Für die meisten Nervensysteme gehört das nicht gerade zu den angenehmsten Erfahrungen.

Hinzu kommt nun noch, dass du nicht nur mit der Situation, dass dein Partner auf einem Date ist, konfrontiert bist, sondern auch noch mit dir selbst. Mit deinen eigenen Ängsten, dem Gefühl nicht genug zu sein oder mit alten Geschichten von Vergleich, Ablehnung oder Verlust. Das kann ja gar nicht leicht sein.

Das Date wird gerade zu einem Scheinwerfer, der Dinge sichtbar macht, die schon vorher da waren. Nur, dass du diese Dinge jetzt nicht mehr so leicht verstecken kannst.

Die häufigsten Strategien, die jedoch nur kurzfristig helfen

Eine häufige Reaktion um ein unangenehmes Gefühl an diesem emotional schwierigen Abend loszuwerden, ist deshalb: sich schnellstmöglich abzulenken, in der Hoffnung, dass sich die Unsicherheiten doch irgendwie aus dem Scheinwerferlicht drängen lassen.

Das ist menschlich. Niemand sitzt gerne mit Angst, Unsicherheit und Verlustangst auf dem Sofa. Dementsprechend entwickeln wir Strategien, die uns für einen Moment Erleichterung verschaffen. Aber genau da ist auch der Haken. Die Beruhigung hält nur kurzfristig an, aber auf lange Sicht erhalten diese Strategien die Unsicherheit sogar aufrecht.

Ständig auf das Handy schauen

Ist er schon online gewesen? Hat er endlich etwas geschrieben? Warum meldet er sich nicht?

Du suchst im Handy nach deiner Sicherheit. Jeder Blick darauf könnte einen kleinen Moment Beruhigung versprechen. Doch sie hält nur wenige Minuten an und dein Gedankenkarussel beginnt wieder von vorne.

Dich um jeden Preis ablenken

Vielleicht stürzt du dich lieber in die Hausarbeit oder verabredest dich mit Freunden, um dich abzulenken. Daran ist grundsätzlich nichts falsch und bewusst gewählte Ablenkung kann durchaus helfen.

Es ist jedoch problematisch, wenn diese Ablenkung ausschließlich dazu dient, die eigenen Gefühle nicht mehr spüren zu müssen. Das, was du erfolgreich verdrängst, wartet nämlich auf dich, bis du wieder Ruhe hast.

Kontrollieren statt vertrauen

Möglicherweise schreibst du noch schnell eine Nachricht. “Schreib mir bitte, wenn du angekommen bist.” Oder später dann “Wann kommst du ungefähr nach hause?”

Wenn diese Nachrichten aus Verbindung entstehen, dann sind sie natürlich auch völlig in Ordnung. Doch manchmal steckt dahinter der Versuch, sich über den Partner zu regulieren. Eine Antwort zu bekommen, die kurz wieder Beruhigung verschafft.

Je mehr Informationen, desto sicherer fühlst du dich, richtig?

Doch auch das ist eine Strategie, die nur kurzfristig funktioniert. Wenig später taucht die nächste Unsicherheit auf.

Was all diese Strategien gemeinsam haben

Sie entstehen, weil dein System versucht, dich zu schützen. Leider gibt es hier ein Problem. Keine dieser Strategien schenkt dir echte innere Sicherheit.

Sie verschieben dein Gefühl. Sie beruhigen es für einen kurzen Moment. Manchmal gehen Strategien auch nicht richtig auf und sie verschlimmern alles.

Der Weg aus dieser Spirale besteht also darin, Schritt für Schritt zu lernen, auch in solchen Momenten bei dir zu bleiben, statt im Außen nach Sicherheit zu suchen. Darum geht es im nächsten Abschnitt.

Was du stattdessen tun kannst

Du hoffst vielleicht gerade auf eine Strategie, mit der sich dieser Abend leichter anfühlt. Natürlich gibt es Dinge, die dein Nervensystem kurzfristig beruhigen können. Etwa eine Atemübung oder eine bestimmte Art zu denken.

Diese Dinge sind schön und sehr gut, aber die eigentliche Herausforderung ist noch eine andere. Denn wenn dein Partner regelmäßig Dates hat, möchtest du wahrscheinlich nicht jedes Mal dieselbe Übung machen müssen, nur um den Abend irgendwie zu überstehen. Das ist kein erstrebenswertes Ziel meiner Ansicht nach und vielleicht denkst du ähnlich.

Du möchtest vielmehr irgendwann erleben, dass sich etwas in dir verändert hat und du Stück für Stück zu dem Menschen wirst, der Unsicherheit endlich anders erlebt als bisher. Mit Ruhe und Gelassenheit. Hier liegt meiner Meinung nach der entscheidende Unterschied.

Hierfür darfst du folgendes erstmal verstehen: Unser Gehirn verändert sich dadurch, dass wir Erfahrungen machen, die unseren bisherigen Überzeugungen widersprechen. Einen Gedanken einmal zu denken, reicht hierfür nicht aus.

Wenn dein inneres System bisher gelernt hat, dass Unsicherheit Gefahr bedeutet, dann wird es beispielsweise nicht nach diesem einen Artikel plötzlich glauben “Wow das stimmt. Dann entspanne ich mich jetzt einfach.”

So funktioniert das Lernen leider nicht. Unser Gehirn verändert Verschaltungen durch Wiederholung, Erfahrung und neue Bedeutungen. Deshalb braucht auch innere Sicherheit Zeit.

Die eigentliche Übung besteht darin, dass du trotz der Angst bei dir bleibst und dann wirst du mit jedem Abend, an dem du erlebst “Ich hatte Angst und trotzdem ist nichts Schlimmes passiert.” eine neue Erfahrung machen.

Und diese Erfahrungen wiederum speichert dein Nervensystem nach und nach als sicher ab. Das heißt nicht, dass sich der zweite oder dritte Abend allein, während dein Partner auf einem Date ist, direkt leicht anfühlen muss. Möglicherweise fühlt sich auch der 10. Abend noch herausfordernd an. Aber du wirst feststellen, dass sich deine Reaktion verändert hat.

Du brauchst dann nicht mehr ständig Gewissheit im Außen suchen, weil dein Inneres gelernt hat, Unsicherheit auszuhalten.

Ich finde es daher wichtig zu erwähnen, dass innere Sicherheit kein cooles Tool oder eine spezielle Technik ist, sondern vielmehr eine Haltung, mit der du dir selbst in schwierigen Momenten begegnest.

Doch sie entsteht nicht an einem Abend, sondern dadurch, dass du dir immer wieder bewusst machst, dass du dieses Gefühl nicht sofort loswerden musst, sondern lernen darfst, es zu tragen.

Wenn der Abend vorbei ist

Wenn dein Partner wieder zur Haustür reinkommt, ist jede nun eintretende Erleichterung völlig verständlich. Und egal wie dein Abend war, versuche ihn im Nachhinein nicht direkt zu bewerten, aber auch nicht zu verdrängen.

Vergiss nicht, dass du deinem Nervensystem jedes Mal, wenn du dich einer Angst stellst, die Möglichkeit gibst, etwas Neues zu lernen.

Und nun ist der nächste Schritt nicht, deinen Partner auszufragen und jede Kleinigkeit erzählt zu bekommen, sondern wieder in Verbindung zu kommen.

Klar kannst du fragen, wie sein Date war. Aber frage dich auch selbst: Was hat mich besonders herausgefordert? Wann wurde es leichter? Was habe ich über mich gelernt?

Die Antworten darauf sind unglaublich wertvoll. In offenen Beziehungen geht es nicht darum eifersuchtsfrei und locker mit jeder Situation umgehen zu können. Ich finde es viel wichtiger, dass wir herausfordernde Gelegenheiten nutzen, um uns immer besser kennenzulernen und auch in schwierigen Momenten unser eigener sicherer Hafen zu werden.

Wenn du dabei nicht allein sein möchtest…

Häufig haben wir auf der Suche nach Tipps und Erleichterung den Gedanken, wir wüssten das doch alles schon, was wir da lesen. Möglicherweise hast du das auch jetzt wieder bemerkt, aber trotzdem fühlt sich der Moment, wenn dein Partner auf einem Date ist, jedes mal wieder überwältigend an.

Ich erlebe das in meiner Arbeit sehr häufig. Die meisten Menschen brauchen statt weiteren Rahmenbedingungen für die Beziehung, Wissen über Eifersucht oder Kommunikationstechniken einen Ort, an dem sie lernen können innere Sicherheit wirklich zu verkörpern.

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