Warum wir glauben, dass Liebe Besitz bedeutet und wie du das loslässt

Die Idee, dass Liebe mit Besitz verbunden ist, ist tief unserer Gesellschaft, unserer Kultur und unserer Geschichte verwurzelt.

“Du gehörst mir.” – romantisch, oder? Ein Satz, den wir in Liedern oder Filmen über Liebesgeschichten immer wieder hören. Leider beginnt schon hier ein weit verbreitetes Missverständnis: Wir setzen Liebe oft mit Besitz gleich. Manchmal unbewusst, manchmal bewusst.

Wir lernen schon früh, dass Liebe = Exklusivität bedeutet. Wir “brauchen” nur den einen Partner, wenn wir wirklich lieben, wir teilen ihn mit niemandem und dieser Mensch bleibt für immer der eine an deiner Seite. Das ist das Ideal.

Doch was passiert, wenn die Vorstellung zu bröckeln beginnt? Wenn Unsicherheiten entstehen, wenn Eifersucht auftaucht oder wenn der Partner eigene Wünsche und Freiheiten äußert?

In diesem Artikel möchte ich mir mit dir anschauen, warum die Liebe als Besitz so tief in uns verankert ist, warum sie uns eher schadet, als dass sie uns hilft und vor allem möchte ich dir zeigen, wie du eine neue, gesunde Sichtweise auf Liebe entwickeln kannst. Denn echte Liebe basiert nicht auf Kontrolle oder Anspruch, sondern auf Vertrauen und Freiheit.

Woher kommt die Vorstellung, dass Liebe Besitz bedeutet?

Die Idee, dass Liebe mit Besitz verbunden ist, ist tief unserer Gesellschaft, unserer Kultur und unserer Geschichte verwurzelt.

Historische Wurzeln: Liebe als Besitz

Jahrhundertelang wurde eine Ehe nicht aus Liebe, sondern aus gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gründen geschlossen. Die Frau gehörte buchstäblich dem Mann, und Treue war eher eine Frage des Eigentums als der Gefühle. Natürlich hat sich bis heute vieles geändert. Dennoch wurde die Gesellschaft hierdurch geprägt und diese Sichtweise sitzt tief in unseren Köpfen: Wir besitzen die Liebe des anderen und haben auch ein Anrecht darauf.

Kulturelle Prägung: Liebe als exklusives Versprechen

Von klein auf lernen wir, dass Liebe exklusiv sein muss. Wir bekommen Märchen vorgelesen, in denen es um die eine große Liebe geht, die für immer hält. Wir schauen uns Filme an, in denen uns romantische Liebesgeschichten aufzeigen, dass Liebe bedeutet sich gegenseitig zu gehören. Und sogar in Hochzeitsgelübten versprechen wir uns noch heute für die Ewigkeit “Bis dass der Tod uns scheidet”. Das alles prägt unser Unterbewusstsein und lässt uns glauben, dass Liebe an Bedingungen geknüpft ist.

Biologische & psychologische Faktoren: Bindung und Verlustangst

Unser Bedürfnis nach Sicherheit und Zugehörigkeit liegt in unserer Natur. Liebe und Nähe aktivieren unser Belohnungssystem im Gehirn: Wir fühlen uns sicher, wertvoll und geborgen. Da kann es einem durchaus Angst machen, diesen Zustand wieder zu verlieren.

Das Gefühl, dass unser Partner “nur uns gehört” löst wiederum ein Gefühl von Kontrolle und Sicherheit bei uns aus. Leider muss ich dir sagen: Das ist ein trügerisches Gefühl.

Probleme, die durch Besitzdenken in Beziehungen entstehen

Wenn Liebe mit Besitz gleichgesetzt wird, führt das oft zu Unsicherheiten, Eifersucht und dem Versuch, den Partner in festen Regeln und Erwartungen festzuhalten. Ich sage bewusst “Versuch”, denn meist wird durch dieses Verhalten sogar das Gegenteil bewirkt: Der Partner ergreift früher oder später die Flucht. Wir können niemanden festhalten. Durch Einschränkungen, lieben wir nicht mehr.

Das wird auch durch Statistiken bestätigt, denn tatsächlich gehören Untreue und Eifersucht zu häufigen Trennungs- bzw. Scheidungsgründen und auch ein unterschiedliches Bedürfnis von Nähe und Freiraum ist ein Trennungsgrund, der nicht außer Acht zu lassen ist.

Ich kenne Menschen, die so sehr von ihrer Verlustangst getrieben werden, dass sie über das ganze Leben ihres Partners bestimmen wollen. Da werden Treffen mit Freunden eingeschränkt und Gespräche mit dem anderen Geschlecht gehen schon gar nicht. Was hat das noch mit Liebe zutun? Der Partner wird kleingehalten, seine Bedürfnisse zählen nicht und er bekommt sein persönliches Gefängnis.

Ständiger Streit ist vorprogrammiert und statt wahrer Liebe haben wir an der Stelle eine emotionale Abhängigkeit. Klingt ungesund? Ist es auch.

Das ist natürlich der Extremfall (wenn auch nicht selten). Doch auch im Regelfall zeigt sich dieses Verhalten in sehr vielen monogamen Beziehungen in etwas abgeschwächter Form. Im nächsten Abschnitt schauen wir uns an, wie du dieses alte Denkmuster loslassen und Liebe neu definieren kannst.

Wie du Besitzdenken in der Liebe loslässt

1. Bewusstwerden des Problems

Der erste Schritt ist das Bewusstwerden dieses Denkmusters. Diesen Artikel zu lesen fördert schonmal dein Bewusstsein hierfür und du kommst dem Ziel in diesem Moment schon etwas näher 😉

Viele Menschen bemerken gar nicht, wie sehr ihr Bedürfnis nach Kontrolle die Beziehung beeinflusst. Eifersucht, Misstrauen, Erwartungen und auch Kontrollversuche sind Warnzeichen, bei denen du genauer hinschauen solltest.

Indem du dir deiner eigenen Ängste und Unsicherheiten bewusst wirst, kannst du beginnen, das Besitzdenken zu überdenken und freizulassen.

2. Vertrauen aufbauen: Selbstwert stärken, um Unsicherheiten zu reduzieren

Besitzdenken, Kontrolle oder Eifersucht sind oft ein Zeichen von innerer Unsicherheit. Wenn du dich selbst nicht genug liebst oder dich unsicher fühlst, suchst du Bestätigung und Sicherheit in deinem Partner. Doch wahre Liebe basiert auf Vertrauen und dem Wissen, dass beide Partner in ihrer Individualität respektiert und geschätzt werden.

Das kannst du tun, um dein Selbstwert zu stärken:

  • viel Selbstreflexion betreiben: Nimm dir Zeit, um deine Ängste und Unsicherheiten zu hinterfragen. Warum fühlst du dich unsicher? Woher kommen die Ängste? Oft hilft es, die Ursachen dieser Gefühle zu erkennen, um sie zu heilen, da du herausfinden kannst, wo du ansetzen musst.
  • Selbstfürsorge: Baue Routinen und Gewohnheiten, die dir helfen, dich selbst zu lieben und für dich selbst zu sorgen. Das kann Meditation, Sport, gesunde Ernährung oder kreative Hobbys sein. Alles, was dein Selbstwertgefühl stärkt. Unternimm ruhig auch mal etwas ohne deinen Partner. Schreibe einen Liebesbrief an dich selbst: Was sind deine Stärken? Was magst du an dir? Was hat dein Partner an dir? Erkenne deinen Wert und glaube vor allem daran! Nutze hierfür gerne tägliche Affirmationen. Trage deinen Brief immer bei dir und lies ihn dir regelmäßig durch, um dich daran zu erinnern, wie toll du bist.
  • Gesunde Grenzen setzen: Erkenne deine eigenen Bedürfnisse und kommuniziere diese klar, ohne Forderungen zu stellen. Dies stärkt deine Selbstsicherheit und gibt deinem Partner den Raum, sich ebenfalls frei zu entfalten.

Indem du dein eigenes Vertrauen in dich selbst aufbaust, wirst du feststellen, dass du weniger Kontrolle in der Beziehung brauchst, um dich sicher und geliebt zu fühlen. Dein Partner ist nicht verantwortlich für deine Gefühle. Ändere deine Sichtweise und Perspektive über ein Geschehen und du wirst sehen, dass du deine Erfahrung und dein Gefühl darüber selbst steuern kannst.

Dein Wert ist nicht von der Meinung anderer oder den Taten deines Partners abhängig. Lerne, dich hiervon unabhängig zu machen.

3. Freiheit und Verbundenheit in Balance bringen: Wie echte Liebe ohne Kontrolle funktioniert

Echte Liebe wächst, wenn beide Partner ihre Freiheit und Individualität respektieren, während sie gleichzeitig die Verbundenheit pflegen. Die Balance zwischen Freiheit und Verbundenheit zu finden ist ein Prozess, der von Respekt und Kommunikation lebt.

Es ist wichtig, dass du deinem Partner den Raum gibst, eigene Interessen zu entwickeln und zu verfolgen. Nimm dir ebenso deine Freiheiten und Zeit für dich. Genauso wie es für dich selbst wichtig ist diesen Raum zu haben, ist es auch für deinen Partner essentiell, unabhängige Erfahrungen zu sammeln.

Findet gemeinsame Werte. Eure Verbindung wird stärker, wenn ihr ähnliche Werte und Ziele teilt, aber auch euren persönlichen Raum anerkennt. Eine starke Beziehung basiert nicht auf Kontrolle, sondern auf tiefem Vertrauen und gegenseitiger Unterstützung.

Erkenne, dass jeder von euch sich weiterentwickelt und verändert. Liebe bedeutet, diese Entwicklung zu akzeptieren und zu unterstützen, ohne zu versuchen, den anderen in eine feste Rolle zu drängen. Stillstand ist Gift für euch als Individuum und für eure Beziehung. Ihr dürft lernen, gemeinsam zu wachsen und Veränderungen zu aktzeptieren.

In der Liebe sollten wir die Freiheit haben uns zu entfalten, während wir gleichzeitig zusammenhalten.

4. Neue Glaubenssätze entwicklen

Wenn du Besitzdenken, Kontrolle und Eifersucht loslassen möchtest, darfst du neue Glaubenssätze entwickeln. Lasse veraltete Muster los und verwandle sie in bestärkende neue Überzeugungen. Setze diese aktiv in deinem Denken und Handeln um.

„Ich vertraue, weil ich liebe, nicht weil ich kontrolliere.“

Könnte dies ein neuer Glaubenssatz für dich sein? Er hilft dir, die Kontrolle abzulegen und deine Beziehung auf Vertrauen zu gründen. Es ist wichtig deinen neuen Glaubenssatz regelmäßig zu wiederholen. Baue ihn zum Beispiel in eine Routine ein. Du strukturierst dein Gehirn um und irgendwann gehört dieser Glaubenssatz fest zu deinem Denkmuster.

Kommuniziere deinem Partner offen deine Gefühle, statt ihn zu kontrollieren oder etwas zu verbieten. Ihr könnt gemeinsam nach einer Lösung suchen und stärkt eure gemeinsame Verbindung. Höre auch deinem Partner zu und respektiere seine Gefühle und Gedanken ebenso. Sie müssen sich nicht mit deinen gleichen. Du darfst lernen zu akzeptieren, dass auch dein Partner eigene Bedürfnisse hat.

Besitzdenken in deiner Beziehung loszulassen, ist ein Prozess. Gib dir selbst Zeit und bleibe dran. Du legst damit den Grundstein für eine vertrauensvolle und gesunde Beziehung.

Denk dran: Wahre Liebe wächst durch vertrauen, nicht durch Kontrolle.

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2 Kommentare zu „Warum wir glauben, dass Liebe Besitz bedeutet und wie du das loslässt“

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